Erlebnisberichte

Nur wer den Gegner und sich selbst gut kennt, kann in tausend Schlachten siegreich sein..
Chinesische Kriegstaktik
 
“Übertragen auf die interkulturellen Anforderungen heute kann das bedeuten: „Nur wer sich selbst und den ausländischen Partner gut kennt, kann zu einer verständnisvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit kommen”.
Quelle: A. Thomas

Inhalt

Aus dem Business Alltag

Am Anfang ist alles neu und fremd

Kulturshock und andere verflixte Situationen

Andere Kulturen, andere Sitten

Urlaub in der Heimat

Anders kommunizieren

Rückkehr in die Heimat


Aus dem Business Alltag

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Der Leiter einer Delegation eines deutschen Unternehmens bereitet sich nicht auf den bevorstehenden Aufenthalt in China vor, weil er nach eigenen Angaben findet, ‚Mensch ist Mensch – die Chinesen sind keine anderen Menschen als wir.’ Er bereitet seine Power Point Präsentation hingegen mit großer Sorgfalt vor, denn er ist überzeugt davon, dass er mit dieser überaus gründlichen Bearbeitung des Sachthemas bei seinen Kunden in Shanghai Erfolg haben wird.

Seine chinesischen Gastgeber empfangen diesen hochrangigen Vertreter aus Deutschland besonders würdevoll und setzen alles daran, Harmonie und Vertrauen herzustellen. Es wird großen Wert darauf gelegt, dass bei allen Anlässen die soziale Hierarchie sichtbar ist und der deutsche Gast immer mit Vorzug behandelt wird und entsprechend seines Ranges genügend Anerkennung und Lob erhält. Aus chinesischer Sicht gehört dies zum guten Ton der Business Gepflogenheiten.

Auf Grund der reinen Sachorientiertheit des deutschen Geschäftsmanns wird dieser nach und nach ungeduldiger und fasst die Bemühungen der Chinesen als unnötiges Getue und wertloses Gerede auf, weil sie nicht zur Sache gehören und mit dem Geschäft nichts zu tun haben. Er reagiert verständnislos und fragt immer wieder nach, wann es denn jetzt endlich ums Geschäft ginge.

Nach einigen Tagen fliegt er ohne unterschriebenen Vertrag wieder nach Europa zurück. (Quelle: A. Thomas)  


Zwei Vertreter einer österreichischen Bank fuhren zu Verhandlungen nach Russland. Sie hatten eine Verabredung mit dem Direktor einer großen Bank in Moskau. Als sie in sein Büro kamen, machte er einen sehr beschäftigen Eindruck, telefonierte und beachtete sie kaum. Er meinte, sie sollten über alles beim Mittagessen reden. Im Restaurant änderte sich sein Verhalten und er gab sich plötzlich sehr interessiert und als aufmerksamer Gastgeber. Sie sprachen über viel Privates und über Österreich. Die Stimmung war gut und entspannt, als der russische Bankdirektor plötzlich drei sehr direkte Fragen zum Verhandlungsthema stellte. Die beiden österreichischen Vertreter fassten sich und versuchten, die Fragen eilig zu beantworten. Dann nahm das Gespräch wieder die gewohnte lockere Art an und sie führten ihren Small Talk weiter. (Quelle: A. Samoiova)


Ein Schweizer Manager wartet über eine Stunde über den vereinbarten Termin hinaus auf seinen spanischen Kollegen, um einen wichtigen Vertrag zu unterschreiben. In seiner wachsenden Ungeduld kommt er zum Schluss, dass spanische Geschäftsleute vollkommen desinteressiert am Geschäft sein müssen. Der Schweizer interpretiert seinen spanischen Kollegen falsch, indem er dessen Verhalten mit seiner eigenen Kultur vergleicht, in der Pünktlichkeit oberstes Gebot ist. Dabei bewertet er unbewusst seine eigenes Verhalten positiv („Schweizer kommen zu wichtigen Terminen pünktlich, und das ist gut“), das andere Verhalten hingegen negativ („Spanier sind unpünktlich, und das ist schlecht“). (Quelle: N. Adler)


Ich traf einen Kunden aus Österreich nun schon zum sechsten Mal innerhalb weniger Monate. Er begrüßt mich immer noch mit „Herr Smith“. Aus meiner nordamerikanischen Perspektive ist diese sehr formelle Begrüßung ein Zeichen, dass er mich entweder nicht mag oder an einer näheren Geschäftsbeziehung mit mir desinteressiert ist. Nun, ich interpretierte die Situation falsch. Ich wandte automatisch die nordamerikanischen Normen im Businessverhalten an, die viel informeller sind (beim sechsten Treffen würde ich ihn mit „Good Morning, Fritz“ und nicht mit „Good Morning, Herr Ranschburg“ begrüßen). (Quelle: N. Adler) 


Eine große Hotelkette möchte ein neues Hotel in Tahiti errichten. Der Projektmanager schließt einen Vertrag mit einem tahitischen Kunsthandwerker ab, der für das Hotel hohe Holz-Totems schnitzen soll. Es sollten mehrere solcher Totems auf dem Hotelgelände aufgestellt werden, um eine tahitische Atmosphäre zu schaffen. Der tahitische Holzschnitzmeister veranschlagte einen bestimmten Preis für das erste Totem und immer höhere für die folgenden Totems. Das erstaunte natürlich den Projektmanager, der davon ausging, dass man so keine Geschäfte machen könne. Hatte den der tahitische Holzschnitzer noch nie etwas von Discount bei großen Aufträgen gehört? Der tahitische Kunsthandwerker versuchte, ihm seinen Standpunkt zu erklären: „Nein, Sie verstehen es nicht. Das erste Totem zu schnitzen, ist eine wahre Freude. Aber alle anderen zu machen, wird immer langweiliger.“ (Quelle: N. Adler) 


Am Anfang ist alles neu und fremd

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„Zuerst weiß man nicht einmal, in welche Richtung man gehen muss, wenn man aus dem Wohnhaus tritt. Alles ist fremd, nichts hat eine Bedeutung. Erst langsam baut man sich ein Netz an Bedeutungen auf und entwickelt eine Vorliebe für gewisse Orte, oft Orte, an denen man gerade am Anfang besondere Erlebnisse hatte.“

„Ein Gedanke schoss mir immer wieder durch den Kopf: Jetzt ist alles so fremd, nichts geht mich was an, am liebsten möchte ich gleich wieder weg! Aber ich weiß es, in vier Jahren werde ich ganz verzweifelt sein, wenn wir von hier wieder weg gehen, weil ich mich an alles so gewöhnt habe. Diese Diskrepanz an Gefühlen schnürte mir den Hals zusammen.“

„Ich ging jeden Tag auf Entdeckungsreise. Alles war so schön und interessant! Und so anders! Beim Einkaufen im Supermarkt suchte ich immer neue Produkte aus. Das ging manchmal schief, weil ich die Beschreibung nicht immer verstand, aber es war lustig, einfach alles auszuprobieren. Ich fühlte mich sehr unbeschwert und frei! Es war herrlich, seine alten Gewohnheiten über Bord zu werfen und sich sozusagen neu zu bestimmen!“

„Am Anfang, wenn wir neu in einem Land sind, gehe ich immer zu allen Clubs, Volontier-Gruppen, Schulgruppen, Kindergruppen, Sportvereinen usw. Ich suche dabei Kontakte und baue mir mein Netzwerk auf. Das brauche ich, um mich zu orientieren. Sonst hängt man ja in der Luft, wenn man nirgends dazu gehört!“

„Durch die Schule, in die unsere Kinder gingen, war es leicht, Kontakte zu finden. Da die Schule sehr klein war, war die Zusammengehörigkeit stark und bald fühlten wir uns wie eine große Familie!“ 


Kulturshock und andere verflixte Situationen

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„Ankunft in New Delhi im Morgengrauen: Unerträgliche Hitze schlägt einen ins Gesicht und umfängt einen ganz und gar. Überall hocken oder stehen Menschen. Sie sehen anders aus, bewegen sich anders, reden anders und sind anders gekleidet, viele gehen barfuss. Ihre Gesichtsfarbe ist viel dunkler als in Europa. Am Straßenrand endlos Baracken oder Kartonhütten, in denen Familien leben. Viele schlafen auf dem Gehsteig. An den Straßenkreuzungen Bettler, verstümmelte Kinder, die Snacks verkaufen, alte Frauen mit leeren Blicken, armselig gekleidet. Überall Menschen, Lärm, Getümmel, Gehupe. Andere Gerüche, andere Geräusche. Eine völlig andere Welt.“

„Wir hatten mitten in der Wüste Radschastans eine Reifenpanne. Lange waren wir durch eine menschenleere wüstenartige Gegend gefahren, doch als wir Halt machten, dauerte es nicht lange, bis wir von einer immer größer werdenden Gruppe Neugieriger umringt waren, die sich ans Auto lehnten und uns einfach erwartungsvoll anstarrten. Sie drängten sich so an uns heran, dass wir uns kaum mehr bewegen konnten. Diese körperliche Nähe zu wildfremden Menschen war für uns wirklich unangenehm.“

„In Mexiko geht man die Dinge wesentlich entspannter an. Das Stereotyp vom ewigen ‚manana’ ist durchaus ernst zu nehmen. Die Arbeitszeiten sind fließend, Pünktlichkeit ist ein Fremdwort, und Zusagen und Termine sind dazu da, nicht eingehalten zu werden. Dafür wird großen Wert auf zwischenmenschliche Kontakte gelegt. Ausgiebige Schwätzchen während der Arbeitszeit sind an der Tagesordnung und gemeinsame Unternehmungen mit den Kollegen und Vorgesetzen auch außerhalb der Arbeitszeit sind Pflicht, will man es in seiner Firma zu etwas bringen.“ (Silvia) 


Andere Kulturen, andere Sitten

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„In New Delhi fuhren wir auf dem Weg ins Büro täglich an den Armen vorbei, die in Kartonhäusern am Straßenrand lebten, und an den verstümmelten und erbärmlich aussehenden Bettlern an den Straßenkreuzungen. Wir hatten großes Mitleid mit ihnen. Wie konnte man so leben, so in aller Öffentlichkeit und mit nichts? Erst nach und nach und durch viele Gespräche mit unseren indischen Freunden bekamen wir eine Idee vom indischen Kastensystem, dass es da zwischen den einzelnen Kasten keine Verbindungen gibt und die Unberührbaren sowieso ganz außerhalb stehen. Den Begriff Mitleid gibt es nicht. Das war für uns schwer zu verstehen. Da wurde mir bewusst, dass Mitleid ein tief europäisch-christlicher Wert ist, der wesentlich unsere Kultur prägt, aber dass es auch Kulturen gibt, wo es das nicht gibt.“

„In New Delhi wurde mein Sohn zum Geburtstagsfest seines indischen Freundes in der unmittelbaren Nachbarschaft eingeladen. Als es soweit war, machte ich nach europäischer Gewohnheit einfach auf den Weg, meinen kleinen Matthias im Buggy vor mich her schiebend. Ich ging den staubigen, kaum asphaltierten Weg durch unser Wohnviertel und fühlte mich nach und nach immer weniger wohl. Ich wurde von allen möglichen Leuten, die die Wohnstraßen bevölkerten, angestarrt: Hauswächter, die vor den Hauseingängen saßen, Angehörige von Hausangestellten, Bettler, Händler, Kinder. Niemand so wie ich, die eine MamSahib verkörperte, eine Europäerin, die eine bestimmte gesellschaftliche Position einnahm, ging hier zu Fuß und schon gar nicht mit einem kleinen Kind in einem Buggy. Als ich am Ziel angekommen war, wurde ich freundlichst empfangen. Die Gastgeberin, eine sehr gepflegte und gut aussehende Nordinderin, fragte mich aber sehr erstaunt, wo denn meine ‚Ayja’, mein Kindermädchen, sei. Ich sagte naiv: ‚Zu Hause!’ Darauf sagte sie nichts. Ich merkte dann, dass in einem Raum alle Kindermädchen mit den kleinen Kindern versammelt waren und in einem anderen die Mütter, die sich bei Tee und Süßigkeiten laut und angeregt unterhielten. Ich war dann wirklich in einer Zwickmühle, denn einerseits wollte ich mich mit den anderen Frauen unterhalten, konnte aber meinen kleinen Matthias nicht allein bei den anderen Kindern und deren Ayjas lassen.

Ich hatte somit gleich zwei Fehler begangen: Zunächst ging ich zu Fuß mit meinem kleinen Kind durch die Straßen. In Indien geht man nicht zu Fuß, es sei denn, man kann sich nichts anderes leisten. Und ich tauchte bei der Geburtstagsfeier ohne mein Kindermädchen auf, das ja zuständig für die Betreuung meines Sohnes war. In einem Land wie Indien sind die gesellschaftlichen Hierarchien und das Rollenbewusstsein sehr stark ausgeprägt. Einem Ausländer verzeiht man natürlich einen Übertritt oder Fehler, aber er wird gleichzeitig als ahnungslos, wenn nicht kulturlos abgestempelt!“

„Nach einem wunderschönen Ausflug ans Meer in Südfinnland wollten wir noch etwas trinken. Wir gingen davon aus, in einem der kleinen Orte am Strand ein kleines Terrassen-Café oder Restaurant zu finden. Aber das gab es nicht. Wir suchten lange, aber nirgendwo konnte man sich am Strand gemütlich hinsetzen und etwas trinken. Man konnte wohl an vielen Stellen direkt ans Meer heran, auch gab es Yachthäfen, Stege, aber kein Café. Wir waren sehr enttäuscht. Es widersprach gänzlich unserem Gefühl und auch unserem Bedürfnis, diesen schönen Tag in so ungewohnter – für uns ungemütlicher – Weise zu beenden und direkt nach Hause zu fahren.“

„In New Delhi waren wir sehr oft bei Indern eingeladen. Das waren meist großzügige Einladungen von über hundert Gästen. Man durfte auf keinen Fall zu früh kommen, das heißt wenn auf der Einladung 20.00 stand, nie vor 21.00! Zunächst gab es Drinks und Snacks, die herumgereicht wurden. Man ging herum und unterhielt sich mit möglichst vielen Personen. Das Essen, meist auf einem großen Buffet angerichtet, gab es immer erst ziemlich spät, oft war es dann schon Mitternacht. Wenn man fertig war, verstaute man seinen leeren Teller unter einem Tisch und ging dann gleich.

Ich mochte diese Essen nicht. Es war so ungemütlich, ewig stand man herum, stopfte sich mit Snacks voll und aß dann erst so spät, dass man schlecht schlief. Und dass man nach dem Essen gleich ging, empfand ich als so unhöflich!“

„In unserer Zeit in New Delhi war ich öfters bei meiner indischen Freundin zu Hause. Als ihre Mutter erkrankte, die bei ihrem Bruder lebte, war es für meine Freundin selbstverständlich, zu ihr zu ziehen und sie zu pflegen. Sie nahm sich Urlaub und widmete sich liebevoll ihrer Mutter. Ich war beeindruckt. Wer würde das in Europa tun? Die Art, wie man in Indien mit der älteren Generation umgeht, hatte nachhaltige Wirkung auf mich. Als ich wieder zurück nach Europa kam, konnte ich meine Eltern und Schwiegereltern in einem anderen Licht sehen. Ich konnte ihnen mit Achtung und mit viel mehr Geduld begegnen. Ich erkannte, dass ein Geben und Nehmen zwischen den Generationen existiert. Diese Erkenntnis ist eine ungeheure Bereicherung für mich.“

„Ich musste in Helsinki auf die Post. Zum Glück wusste ich bereits, dass ich mir eine Nummer abreißen musste. Es waren viele Leute vor mir. Alle standen schweigend da und warteten, bis ihre Nummer aufblinkte und aufgerufen wurde. Manchmal aber war die betreffende Person schon früher gegangen. In so einem Fall wurde die Nummer zwei oder drei Mal aufgerufen und dazwischen geduldig gewartet. Dabei vergingen mindestens 1-2 Minuten. Aber niemand ließ sich durch diesen ‚Zeitverlust’ aus der Ruhe bringen.“  


 

Urlaub in der Heimat

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„Auf Heimaturlaub in Österreich fiel uns immer die österreichische Gastfreundschaft besonders auf. Überall wird man freundlich bedient, manchmal wird sogar nachgefragt, ob man noch etwas haben will. Einmal, in einem Wiener Kaffeehaus – die Wiener Kaffeehauskultur haben wir im Ausland immer vermisst – bestellten wir zwei Mélange und als der Ober sie brachte, wollten wir gleich bezahlen. Dieser wehrte entrüstet ab: ‚Jetzt trinken’s doch erst einmal in Ruhe Ihren Kaffee! Zahlen können’s immer noch!’ Da wussten wir, dass wir wieder „daheim“ waren.“

„Wir fuhren mit dem Wagen von Helsinki nach Wien. Vor der tschechisch-österreichischen Grenze war schon von weitem eine lange Autoschlange zu sehen. Folgsam reihten wir uns ein. Plötzlich wurden wir von zwei Autos überholt, die in Richtung Grenzstation rasten. Danach brachen immer mehr Autos aus der Schlange aus. Beim Grenzposten bildete sich bereits eine Traube von Autos, die aus allen Richtungen zu kommen schienen. Einige Fahrer stiegen aus, gestikulierten heftig, man hörte laute Stimmen, Schimpfen, Hupen. Wir wunderten uns, gleichzeitig wussten wir, dass wir wieder in Österreich waren! In Finnland waren wir in solchen Situationen immer an äußerste Disziplin gewöhnt.“ 


Anders kommunizieren

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„In Deutschland war für mich besonders schwierig, dass die Leute nicht mit ihren Nachbarn reden. Man wahrt die Distanz. Das heißt dann ‚Respektieren der Privatsphäre’. Da kann einer seine Frau halb totschlagen – keiner mischt sich ein. Das ist für uns Amerikaner einfach unverständlich.“ (Steve)

„Ich war in einer Runde von Französinnen die einzige Österreicherin. Ich war neu in der Gruppe, aber niemand stellte mir konkrete Fragen. In der späteren Diskussion wurde heftig und emotionell gesprochen, Unterbrechungen waren sehr häufig. Die Beiträge der einzelnen überschlugen sich. Ich spürte, wie von mir erwartet wurde, dass ich mich in die Diskussion einbrachte, indem ich die anderen ebenso unterbrach, laut meine Meinung kundtat und mich auf diese Weise präsentierte.“

„Bei einem Abendessen in Helsinki begann ich, mit meinem Sitznachbarn eine Konversation zu führen. Das Gespräch verlief anfangs gut und wir tauschten Informationen über unsere Herkunft aus. Ich bemerkte allerdings, wie die Gesprächspausen immer häufiger und länger wurden und fühlte mich immer unbehaglicher. War ich nicht interessant genug? Hatte ich eine Dummheit gesagt oder ihn beleidigt? Ich konnte diese Situation nicht deuten und war tief verunsichert. Meinem Gesprächspartner schien das alles aber gar nicht zu kümmern. Für ihn war es wohl normal, dass man einige Minuten einfach nichts sagt.“ 


Rückkehr in die Heimat

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„Die Rückkehr war für mich schwieriger als Weggehen. Hier gibt es niemanden, mit dem ich wirklich meine Auslandserfahrungen austauschen konnte, ja die meisten interessierten sich gar nicht für all das, was ich erlebt hatte! Ich selbst spürte anfangs tiefe Trauer – Trauer um die vielen internationalen Kontakte, um das interessante Leben, um das Sprechen in Fremdsprachen. Hier erwarteten alle, dass ich mich rasch wieder einfügte und zur Tagesordnung überging.“

„Als wir nach 9 Jahren wieder zurückkamen, fühlte ich mich wie eine Fremde in meinem eigenen Land. Es war ungewohnt für mich, nur mehr Deutsch zu sprechen. Ich wusste alltägliche Dinge nicht mehr, weil die sich geändert haben, und musste nachfragen. Dabei kam ich mir aber komisch vor, denn ich war ja weder Touristin noch Ausländerin, aber dennoch stellte ich Fragen wie eine Ausländerin. Es kam häufig zu Situationen, in denen von mir ein anderes Verhalten erwartet wurde, das war sehr unangenehm. Ich war verunsichert. Es war genauso wie in einem fremden Land. Ich musste die alltäglichen Verhaltensweisen erst wieder lernen.“

„Nach meiner Rückkehr in mein ‚Pass-Land’ hatte ich das Gefühl, irgendwie nicht dazu zu gehören. Ich bin im Grunde aufgeschlossener und offener als die anderen. Dauernd meckert irgendjemand über die Ausländer… Aber jetzt, nach einem halben Jahr, fühle ich mich ganz wohl hier. Mir fehlen aber immer noch meine alten Freunde.“ (Thomas)